1 0
Read Time:3 Minute, 21 Second

Interview Teil 2 – Oliver Hirte, Vorsitzender von HAMBURG FOOTBALL – Verein zur Förderung des American Footballsports in Hamburg

Frage: Herr Hirte, im ersten Teil ging es um KI und Vermarktung. Wir möchten auch über Kontinuität sprechen. Warum ist dieses Thema so wichtig?

Oliver Hirte: Weil viele Organisationen immer noch zu personenabhängig arbeiten. Heute macht es Person A, morgen Person B und übermorgen Person C. Dann sieht plötzlich alles anders aus. Die Sprache verändert sich, die Außendarstellung verändert sich und manchmal sogar die Werte, die nach außen vermittelt werden. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Frage: Was meinen Sie konkret?

Oliver Hirte: Es braucht klare Regeln. Wie sieht unser Logo aus? Welche Farben verwenden wir? Welche Schriftarten nutzen wir? Welche Sprache sprechen wir? Welche Werte vertreten wir? Was ist unsere Kernbotschaft? Das sind keine Nebensächlichkeiten.

Frage: Viele würden sagen, das sind doch eher Marketingdetails.

Oliver Hirte: Genau das ist ein Irrtum. Das sind keine hübschen Dekorationen. Das ist Identität. Menschen müssen erkennen können, wofür ein Verein oder Verband steht. Wenn heute alles rot ist, morgen blau und übermorgen jemand eine komplett andere Richtung einschlägt, entsteht kein Vertrauen.

Frage: Wie weit geht das aus Ihrer Sicht?

Oliver Hirte: Eigentlich durch den gesamten Verein. Von der Webseite über Social Media bis zur Kommunikation mit Mitgliedern und Eltern. Es muss eine erkennbare Linie geben.

Nachfrage: Gilt das auch für künstliche Intelligenz?

Oliver Hirte: Sogar ganz besonders dort. KI macht Dinge schneller. Aber Geschwindigkeit ist nicht automatisch Qualität. Wenn keine klaren Vorgaben existieren, produziert man am Ende hundert Inhalte, die alle unterschiedlich aussehen oder unterschiedlich klingen.

Frage: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Oliver Hirte: Stellen wir uns vor, zehn Personen erstellen Inhalte für einen Verein mit verschiedenen Werkzeugen. Der eine schreibt sachlich, der andere emotional, der nächste humorvoll. Einer nutzt andere Farben, andere Logos oder andere Botschaften. Dann entsteht irgendwann keine Marke mehr.

Frage: Was wäre die bessere Lösung?

Oliver Hirte: Ein klarer Leitfaden. Eine Art Identitätshandbuch. Dort steht: Das ist unser Logo. Das sind unsere Farben. Das ist unsere Sprache. Dafür stehen wir. Das sind unsere Werte. Das ist unsere Botschaft.

Frage: Hinken auch die Verbände bei solchen Themen hinterher?

Oliver Hirte: Teilweise schon. Dort wird aus meiner Sicht oft noch zu wenig Aufmerksamkeit darauf gelegt. Vieles läuft weiterhin klassisch und man beschäftigt sich häufig erst mit Entwicklungen, wenn sie bereits angekommen sind.

Frage: Woran liegt das?

Oliver Hirte: Verbände haben oft komplexere Strukturen und Entscheidungswege. Aber die Welt wartet nicht auf Sitzungen oder Arbeitsgruppen. Entwicklungen laufen trotzdem weiter.

Frage: Warum wird Vermarktung im Football künftig noch wichtiger?

Oliver Hirte: Weil Vereine heute nicht nur Sport anbieten. Sie konkurrieren auch um Aufmerksamkeit und Bindung. Gerade in einer Stadt wie Hamburg greifen viele Vereine auf denselben Pool an Spielerinnen und Spielern zurück.

Frage: Worin unterscheiden sich Vereine denn überhaupt noch?

Oliver Hirte: Oft weniger als man denkt. Man hat Flagfootball, Tacklefootball, Cheerleading, Jugendbereiche, Frauen- und Herrenmannschaften. Vielleicht gibt es hier einen Kunstrasenplatz und dort einen Naturrasenplatz. Vielleicht hat jemand ein Clubhaus und jemand anderes nicht.

Frage: Also verkaufen Vereine am Ende dasselbe Produkt?

Oliver Hirte: Sportlich betrachtet häufig ja. Deshalb werden andere Dinge wichtiger.

Frage: Welche Dinge?

Oliver Hirte: Werte. Gemeinschaft. Atmosphäre. Identifikation. Menschen entscheiden sich oft nicht nur für einen Sport, sondern für ein Gefühl.

Frage: Vereine nutzen oft Aussagen wie „We are Family“. Wie sehen Sie das?

Oliver Hirte: Da muss man vorsichtig sein. Wenn man ständig „We are Family“ kommuniziert und die Menschen erleben später etwas völlig anderes, wird das problematisch. Dann wird aus einer Botschaft schnell eine Enttäuschung.

Nachfrage: Was sollte stattdessen vermittelt werden?

Oliver Hirte: Ehrlichkeit. Wenn ein Verein sagt: Wir stehen für Leistung und Entwicklung, dann ist das vollkommen in Ordnung. Wenn ein Verein sagt: Bei uns steht Gemeinschaft im Mittelpunkt, dann muss das auch gelebt werden. Man verkauft keine Rasenfläche oder ein Gebäude. Man verkauft Erlebnisse, Werte und Identifikation.

Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Oliver Hirte: Mehr langfristiges Denken. Weniger kurzfristige Lösungen. Eine klare Identität und mehr Bereitschaft, moderne Entwicklungen aktiv mitzugestalten statt ihnen hinterherzulaufen.

MORGEN TEIL 3

Happy
Happy
100 %
Sad
Sad
0 %
Excited
Excited
0 %
Sleepy
Sleepy
0 %
Angry
Angry
0 %
Surprise
Surprise
0 %